Die Osterweiterung der Europäischen Union

Als 2004 die östlichen europäischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn (sowie Malta und Zypern, aber das ist eher Süd-, denn klassisches Osteuropa) in die EU aufgenommen wurden, hielten das einige in den westlichen Stammlanden für einen großen Fehler. Populisten vor allem von rechts hetzten gegen das angebliche Millionenheer, das bald schon die Sozialsysteme überlasten werde und mit seinen billigen Löhnen für Dumping und Arbeitszeitverlängerung sorgen werden. Heute, beinahe 10 Jahre später, sieht die Realität ein bißchen anders aus als damals vieleorts gefürchtet: Pfleger aus Polen, vermittelt durch Agenturen wie help4seniors, versorgen deutsche Rentner, die baltischen Länder zählen in puncto Vernetzung und demokratische Mitbestimmung zu den innovativsten Staaten der Welt, die tschechische Krone gilt vielen Börsenhändlern gerade in schwierigen Zeiten als eine Fluchtwährung und trägt sogar den Namen „Schweizer Franken“ Osteuropas. Dazu haben sich die südlichen Staaten Europas (in denen Populisten gerade auch mit dem Schüren vor dem Osten Stimmen gewannen und in Parlamenten und sogar Regierungen sitzen) gewaltig verschuldet und einen Lebensstandard auf Pump finanziert – während Polen zum Beispiel ausgezeichnetes Wachstum aufweist!Pflegekraft aus Polen Landschaft
Was also brachte und bringt die tv? Nun, sie bringt zum einen die Möglichkeit eines engeren Zusammenwachsens Europas, denn die nicht mehr bestehenden Grenzen ermöglichen unkompliziertes Reisen und Kennenlernen. Klar, auch die Kriminellen profitieren davon und das mittlerweile akute Problem mit der tschechischen Designerdroge Crystal, die beinahe ungehindert aus dem liberalen Nachbarstaat nach Deutschland gelangt, ist eine der Schattenseiten. Doch wieviel wäre zum Beispiel das deutsche Pflegesystem ohne all die aufopferungsbereiten und günstigen Polen Wert? Ohne deren Leistungen müssten noch weit mehr Rentner in Altersheime, müsste noch viel mehr Geld in die Hand genommen werden, um Senioren einen anständigen und selbstbestimmten Lebensabend zu ermöglichen.
Zum anderen hat auch der Westen Europas vorzügliche Absatzmärkte gewonnen und die allgemeine Wirtschaftskraft, die sich gerade auch durch den europäischen Binnenkonsum unterstützen lässt, bekam neue Impulse. Der Euro ist zwar in Osteuropa fast kein Thema und braucht wohl auch erst noch mal eine Art Generalrevision, doch hat das allgemein gültige Zahlungsmittel in Polen und den baltischen Ländern viele Zusprecher. Zudem, und das sollten wir auch nicht vergessen, steht Osteuropa Grenze an Grenze mit dem russischen Raum, einem Gebiet, das sich über die eigene Identität heute kaum noch im Klaren ist. Schwankend zwischen verblichenem Stolz und Melancholie warten die Russen und Ukrainer und Weißrussen auf eine Anbindung an den Westen – doch das geht eben nur über unsere osteuropäischen Nachbarstaaten.
Es bleibt also spannend und in jedem Fall wichtig, dass wir in Europa uns nicht an Kleinigkeiten stören. Selbstverständlich, jede Art von Verbrechen, ist nicht zu tolerieren und die Polizeit muss und wird auch enger zusammenarbeiten. Aber der Gewinn der Erweiterung überwiegt die Risiken und die angeblichen Bedrohungen allemal.

Seniorenbetreuung im Ausland

Was tun, wenn man nicht nur alt wird, sondern es bereits ist und der Alltag schwerer fällt? Klar, man kann ins Altersheim gehen, sich einer dieser neuen und immer beliebteren Wohngemeinschaften anschließen oder sich bei Unternehmen wie help4seniors eine Polin zur Hilfe im Haushalt suchen. Das tun auch viele, doch wird das auch in Zukunft ausreichen? Werden wir genug Heime und wirklich altersgerechte Städte bauen und werden wir genug Polinnen finden, die auch weiterhin für eher geringe Löhne pflegen und betreuen?

Polnische Pflegekraefte Aussicht See
Europa ist, ähnlich wie Japan, eine altes Staatengebilde. Die Stammbevölkerung wächst kaum noch, lediglich die Zuwanderer, viele aus dem ohnehin kinderreichen Orient oder aus Afrika, bekommen noch viele Kinder. Doch deren Arbeitsleistung ist oft beschränkt, da die Frauen manchmal gar nicht von Haus aus arbeiten dürfen und die Männer hin und wieder kriminelle Geschäfte machen. Verstehen wir das nicht falsch: Zuwanderer sind willkommen und notwendig, doch es ist zweifelhaft, ob sie die gleiche Produktivkraft entfalten werden wie die früheren Generationen der europäischen Stammbevölkerung. Da nun aber immer mehr Alte einen Platz für ihren Lebensabend beanspruchen, könnte es schwierig werden mit der Versorgung.
Gut sagen sich manche Senioren, dann gehen wir eben ins Ausland. Bevorzugtes Ziel ist zum Beispiel Thailand. Dorthin wandern wegen des schönen Wetters, der schönen Frauen und der schönen Landschaft nicht nur junge Menschen aus, auch immer mehr alte Leute entdecken die Vorzüge. Freilich liegen die eben mehr auf dem Gebiet der Betreuung als auf dem Nachtleben.
Es gibt bereits viele Kliniken beziehungsweise direkt auf Senioren spezialisierte Wohnanlagen, in denen sich unterschiedlichste Menschen mit unterschiedlichsten Pflegestufen betreuen lassen. Das ist in der Regel viel billiger und die Thais geben sich wirklich Mühe. Die Sonne scheint jeden Tag zuverlässig und das warme Klima ist gerade den Wetterfühligen oft ein großer Segen. Ein wunderbarer Lebensabend also?
Hilfspflegekraft aus PolenJa und Nein muss die Antwort lauten. Denn natürlich sind die medizinischen Standards oft nicht besonders hoch und im Zweifelsfall finden komplizierte Operationen dann auch in Deutschland statt, ein Umstand, der dann in puncto Transport und dergleichen nicht unproblematisch ist. Zum anderen lebt man in einer in der Regel (außer durch frühere touristische Aufenthalte) unbekannten Umgebung, in einer fremden Kultur und Sprache. Der Alltag kann dann noch beschwerlicher sein als ohnehin schon und trotz aller Bereitschaft, sich für eine gute Bezahlung auch gut zu kümmern, ist es immer etwas anderes, als in der Heimat zu leben.
Deshalb kommt die Pflege im (weit entfernten) Ausland wirklich nur für Leute in Frage, deren Leben sie bereits auf einen solchen Lebensabend in gewisser Weise vorbereitet hat. Jeder weiß, wie genervt gerade unsere Senioren reagieren, wenn mal wieder etwas nicht pünktlich oder nach irgendeiner Vorschrift abläuft. In Thailand zum Beispiel ist das die Regel! Man wird dort zwar keinen Rentner verhungern lassen, aber es kann schon sein, dass die Essenszeiten sich immer ein bißchen ändern oder das Bad nicht mit der allergrößten Akribie der deutschen Hausfrau geputzt wird. Wer sich also im Alter eher für den Zorn statt für die Milde entscheidet, bleibt lieber in der Heimat, da gibt es auch viel mehr zu meckern und zu kritisieren und wir Deutschen sind auch garantiert bessere Partner zum sich Ärgern und Aufregen als die buddhistischen und deshalb ein wenig gleichgültigen Thais.